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<title>Geröllkeule</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Geröllkeule</span></h1>
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<p>Die <b>Geröllkeule</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a></span> <span lang="en-Latn" style="font-style:italic">Stone Mace Head</span>; <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="D%C3%A4nische_Sprache" title="Dänische Sprache">dänisch</a></span> <span lang="da-Latn" style="font-style:italic"><i>Skivekølle hoved</i> oder <i>Stridskølle</i></span>) ist ein in Europa gefundenes <a href="Artefakt_(Arch%C3%A4ologie)" title="Artefakt (Archäologie)">Artefakt</a>. Sie tritt nördlich der Mittelgebirge vom <a href="Mesolithikum" class="mw-redirect" title="Mesolithikum">Mesolithikum</a> bis in die <a href="Bronzezeit" title="Bronzezeit">Bronzezeit</a> auf. Die Scheibenkeule von Großköllnbach<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> hat 20 cm Durchmesser. Im Verhältnis zu Beilen und <a href="Dechsel" title="Dechsel">Dechseln</a> sind sie jedoch selten. Sie ist zumeist aus <a href="Diabas" title="Diabas">Grünstein</a>, <a href="Porphyr" title="Porphyr">Porphyr</a> oder <a href="Quarzit" title="Quarzit">Quarzit</a> gefertigt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aufbau,_Form_und_physikalische_Wirksamkeit"><span id="Aufbau.2C_Form_und_physikalische_Wirksamkeit"></span>Aufbau, Form und physikalische Wirksamkeit</h2></div>
<p>Entsprechend der Form und dem Grad der Bearbeitung unterscheidet man zwischen Geröll- und Scheibenkeulen. Die Keulenköpfe haben zwei Grundmuster, die sich aus der Art der Schäftung ergeben.
</p>
<ul><li>der mit einer sanduhrförmigen Lochung versehene scheibenförmige Typ der „Scheibenkeule“ und</li>
<li>der mit einer mittigen Einschnürung versehene knollenförmige auch „Rillenhammer“ genannte Typus</li></ul>
<p>Letzterer ist wahrscheinlich die ältere Form und hat sich vermutlich aus dem <a href="Walzenbeil" title="Walzenbeil">Walzenbeil</a> entwickelt. Ein <a href="Schaft_(Werkzeug)" title="Schaft (Werkzeug)">Schaft</a> wurde mittels organischem Material (<a href="Bast_(Baum)" class="mw-redirect" title="Bast (Baum)">Bast</a>, <a href="Leder" title="Leder">Leder</a>) an der Einschnürung des Steines befestigt.
</p><p>Die physikalische Anwendungserfahrung, die von einem Stock zu einem keulenartigen Werkzeug führte, war die Erfahrung, dass die „Wucht“ (<a href="Impuls" title="Impuls">Impuls</a>, <a href="Kinetische_Energie" title="Kinetische Energie">kinetische Energie</a>) umso höher wird, je höher die <a href="Masse_(Physik)" title="Masse (Physik)">Masse</a> des Körpers ist. Aus der Forderung, dass der Griff noch handgerecht sein muss, ergibt sich dann die typische „Keulenform“: Es reicht, das ferne Ende zu verdicken, um gutes <a href="Drehmoment" title="Drehmoment">Drehmoment</a> zu erreichen. Aus technischer Perspektive ist ein keulenartiges Werkzeug eine <a href="Einfache_Maschine" title="Einfache Maschine">einfache Maschine</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verbreitung">Verbreitung</h2></div>
<p>Bereits im <a href="Gravettien" title="Gravettien">Gravettien</a> kommt die <a href="Bohren" title="Bohren">Durchbohrung</a> von <a href="Elfenbein" title="Elfenbein">Elfenbein</a>, <a href="Geweih" title="Geweih">Geweih</a>, Holz, Horn und <a href="Zahn" title="Zahn">Zähnen</a> auf. Ins Mesolithikum fällt die Entwicklung der Technik, die es ermöglicht, auch Gestein zu durchbohren, so dass eine Schäftung ermöglicht wird. Die <a href="Diabolo_(Spielger%C3%A4t)" title="Diabolo (Spielgerät)">diaboloförmige</a> Bohrung stellt allerdings keine ideale Führung für einen Schaft dar. Sie ist allerdings beabsichtigt und die Art der Befestigung eines Schaftes ist, falls sie denn überhaupt erfolgte, noch völlig offen. Die Intention geht daraus hervor, dass die zylindrische Bohrung (u. a. bei 35.000 Jahre alten <a href="Lochstab" title="Lochstab">Lochstäben</a>) längst bekannt war und die heute übliche <a href="Konus" title="Konus">konische</a> Form der Schaftaufnahme durch Aufreiben erreichbar gewesen wäre. Zwar ist es möglich auch mit einer so befestigten <a href="Keule" title="Keule">Keule</a> zu schlagen oder zu spalten, allerdings ist der Schaft so dünn, dass dies nicht die eigentliche Funktion darstellen kann und die Keule eher der Nachfolger des <a href="Lochstab" title="Lochstab">Loch-</a> oder „Kommandostabes“ als <a href="Statussymbol" title="Statussymbol">Statussymbol</a> gewesen sein könnte. Es könnte sich aber auch um ein pflugähnliches Werkzeug handeln, mit dem der Erdboden aufgelockert wurde.
</p><p>Geröll- und Scheibenkeulen haben unterschiedliche Verbreitungsschwerpunkte. In der <a href="Gro%C3%9Fgartacher_Kultur" title="Großgartacher Kultur">Großgartacher Kultur</a>, der Hinkelsteinkultur und der Oberlauterbachkultur war der Gebrauch von Keulenköpfen unüblich. Bereits in der <a href="Linearbandkeramische_Kultur" title="Linearbandkeramische Kultur">Linearbandkultur</a> erscheinen Keulenköpfe weniger häufig. Aufgenommen wird die Tradition von der <a href="Stichbandkeramik" title="Stichbandkeramik">Stichbandkeramik</a>. Nach Südwestdeutschland kommt die Keulenkopftradition erneut mit dem <a href="R%C3%B6ssener_Kultur" title="Rössener Kultur">Rössen</a>-Verzierungsstil, der diesen Impuls wohl aus der Stichbandkeramik aufgenommen hat. Die meisten der schönen, aber seltenen Keulenköpfe sind Lesefunde, einige wurden in Siedlungen der frühen Jungsteinzeit und in Grabkammern gefunden.
</p><p>In der Mythologie oder auf frühen Darstellungen (<a href="%C3%84gypten" title="Ägypten">Ägypten</a>) kommen <a href="Keule" title="Keule">Keulen</a> auch Jahrtausende später noch vor. Ethnologisch lassen sich Steinkeulen u. a. in nahezu identischer Form bei den indigenen Einwohnern <a href="Papua_(V%C3%B6lkergruppe)" title="Papua (Völkergruppe)">Papua</a>-<a href="Neuguinea" title="Neuguinea">Neuguinea</a>, Mappi Hochland (<i>Upper <a href="Sepik" title="Sepik">Sepik</a> River Region</i>) nachweisen, die dort für rituelle Zwecke aber auch kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet werden.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Zapfenkeule" title="Zapfenkeule">Zapfenkeule</a></li>
<li><a href="Streitkolben" title="Streitkolben">Streitkolben</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Eric Biermann: <i>Alt- bis mittelneolithische Keulenköpfe und Bohrkernfunde. Mögliche Hinweise auf potenzielle Produktionszentren?</i> In: <i>Varia neolithica.</i> IV, 2006, ISBN 3-937517-43-X. S. 95–112</li>
<li>Eric Biermann: <i>Keulenköpfe des Alt- und Mittelneolithikums in Deutschland.</i> In: <i>Varia neolithica.</i> IV, 2006, ISBN 3-937517-43-X.</li>
<li>André Grisse: <i>Äxte, Pickel, Keulen, Hacken, Hauen und Doppelhämmer im mitteleuropäischen Neolithikum. Eine Einführung in die Typologie der durchlochten Felsgesteingeräte anhand der graphischen Radien-Methode.</i> Habelt, Bonn 2013, ISBN 978-3-7749-3850-2.</li>
<li>Mogens Rud: <i>Jeg ser på oldsager Danske oldsager i tekst og billeder</i>. Politikens Forlag 1979, ISBN 87-567-3202-3, S. 96.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.steinzeitwissen.de/artefakttypen/keulenkopfe">Beschreibung</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.steinharteknochenarbeit.de/scheibenkeule.63.html#Scheibenkeule">Scheibenkeulen Bilder</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://volker-harries.de/?p=247">Einzelfund einer Scheibenkeule bei Roxheim/Pfalz</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.lauritz.com/de/auktion/skivekoelle-hoved-yngre-stenalder/i1301969/?ver=6c">Beschreibung dän. (Scheibenkeule)</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.kulturwerte-mv.de/Landesarchaeologie/Fund-des-Monats/">Der Keulenkopf von Crivitz</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">AiD 06 2017 S. 12</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Vier Steinkeulen – Papua-Neuguinea, Mappi Hochland Region. Private Sammlung: Scheibenkeule (rituelle Zeremonien), Ananaskeule (Kampf), Sternkeule (Jagd, ein Strahl alt abgebrochen), Rundkeule (Tanzfeste); <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.lotsearch.de/images/auktion/kunstauktionshaus-schlosser.de/20181112_175548/1375.jpg">lotsearch.de</a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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